Der Bericht
Warum nicht mal nach Korfu? Wieder einmal stand die familiäre Abstimmung für das nächste Urlaubsziel an. Nachdem im letzten Jahr weiblicherseits ein Urlaub in Skandinavien unterstützt wurde, muss es jetzt in den Süden gehen. Wir hatten schon länger damit geliebäugelt, nach Griechenland, speziell nach Kassandra zu fahren. Aber wie es so ist, manche Pläne werden nicht umgesetzt. Korfu ist immerhin griechisch und eine unserer Töchter war schon da und begeistert. Wegen der Temperatur kam nur die Vor- oder Nachsaison in Frage. Wir sind jetzt im Oktober hier. Vorbereitet durch diverse Reiseführer und das Durchforsten vieler Internetseiten wurde es ein Ferienhotel an der Nordküste, konkret in Acharavi.
Der Flug war, abgesehen von einer eineinhalbstündigen Verspätung, ruhig. Der Grund der Verspätung zeigt, wie marode das deutsche Transportwesen inzwischen ist. Der Flugkapitän erzählt freimütig, dass kurzfristig ein Crewmitglied gefehlt hatte. Beim ausgewählten Ersatzmitglied musste erst die tarifmäßig festgesetzte Ruhezeit abgewartet werden, daher die Verspätung. Rechnerisch heißt das, dass die durch Einsparungsstrategien von Eurowings fehlende Springerkapazität durch die Fluggäste mit ca. 180*20*1,5=5.400 € bezahlt wurde. Hinzu kommen noch die Personalmehrkosten der Reiseveranstalter wegen der wartenden Transferfahrzeuge. Also nach diesem teuren Ferienbeginn lief aber alles weitere glatt, auch die doch so schwierige Landung auf dem Flughafen Korfu lief gut, Pilot sei Dank. Angekommen in Korfu war man ja darauf vorbereitet, dass in Griechenland nicht alles so planmäßig verlaufen soll, wie wir es gewohnt sind. Aber die Gepäckrückgabe lief besser als in Düsseldorf gewöhnlich erwartet werden kann. Der Stand des Reiseveranstalters war zu finden, etwas mehr Ausschilderung hätte man sich gewünscht. Der Shuttle-Bus-Fahrer sprach deutsch und hat die Tour in gut 1,5 h bewältigt, von anderen Gästen hörte man Dauern von gut 2,0 h, wir haben also Glück gehabt. Ankunft im Hotel und Einchecken ohne besondere Vorkommnisse, sehr freundliches Personal.
So langsam nimmt man wahr, dass man doch in einer sehr großen Hotelanlage gelandet ist, die aber glücklicherweise aus vielen kleineren Häusern besteht, also eher ein kleines Dorf mit geschätzten 500 Betten, fünf Pools, Gymnastikraum, Hauptrestaurant plus zwei Tavernen etc. Dementsprechend wuselig ist es im Restaurant, wir hatten Halbpension gebucht. Wir wählen einen der drei möglichen Räume, möglichst am Fenster. Wie in einem klassischen Restaurant wird einem der Platz vom Oberkellner oder der Schichtleiterin zugewiesen, nach ein paar Mal wissen die schon, was man gerne hätte. Bei ca. 200 Plätzen ist das Geschehen am Buffet schon dynamisch. Dennoch bleibt Zeit, dass einem eine Getränkekarte zum Auswählen vorgelegt wird. Wein gibt es nur in Flaschen, griechischen Kaffee grundsätzlich nicht. Aber der Wein wird schön präsentiert und es gibt lokale Produktionen, man muss also nicht in Korfu hierfür herumreisen.
Unser Zimmer war in einem Gebäude, das auf dem Dach eine Klimaanlage für mehrere Häuser hatte. Der Architekt oder Ingenieur hatte wohl zwischen der Anlage und der Tragkonstruktion keine Vibrationsschutzmatte angeordnet, oder sie ist Einsparungen oder der Korruption zum Opfer gefallen, auf jeden Fall war es laut. Wir haben sogar das An- und Ausschalten gehört. Nach der ersten Nacht haben wir eine Ansage gemacht und nach der zweiten Nacht sind wir dann umgezogen. Das Personal war freundlich und zuvorkommend. Aber wie man ein Zimmer in einem doch nicht ganz billigen Hotel mit diesem Geräuschpegel nachts vermieten kann, lässt doch auf den griechischen Geschäftssinn oder die Unbekümmertheit schließen, mit der Häuser gebaut werden. Letztlich brummt es irgendwo immer. Und wir waren mit den Anmerkungen sicher nicht die ersten.
So große Häuser sind insgesamt nichts für mich, die vielpersonige Atmosphäre ist schon speziell. Auf der Habenseite steht, dass man hier schöne Menschenstudien machen kann. Hier war es noch auszuhalten, weil das Management die Abläufe im Griff hat und das Personal freundlich und gut ist. Darüber hinaus kennt meine Frau ja nach spätestens drei Tagen das gesamte Personal und viele andere Urlauber. Damit lässt es sich dann aushalten.
Bevor es mit dem Geschimpfe losgeht, muss man erst einmal feststellen, dass die Küstenlinie, das Meer und der Ausblick auf das benachbarte Festland grandios sind. Dazu die frische Brise lässt auch bei 25 Grad Wohlgefühl aufkommen. Mit unserem Hotel haben wir es gut getroffen, gerade sitze ich an einer der dazu gehörenden Strandbars im Schirmschatten und genieße den Tag.
Was fällt nun an Korfu und damit vermeintlich an Griechenland auf? Zunächst ist man darauf vorbereitet, dass die Insel für griechische Verhältnisse ziemlich grün ist. Das stimmt. Ist es nicht Wald oder Macchia, ist die landwirtschaftliche Fläche fast vollständig von Olivenbäumen bestanden. Ackerfläche gibt es fast nicht. Das ist die heutige Auswirkung des fast großindustriellen Bedarfs an Öl, den die Republik Venetien mit ca. 2 Mio. Olivenbäumen auf Korfu decken wollte. Dies ist ein frühes Beispiel für erfolgreiche Subventionspolitik. Denn für einen Bauern lohnt sich die Anpflanzung nicht, da er wegen der langen Jugend der Olivenbäume keine Ernte mehr einfahren kann. Das wurde durch Direktzahlungen ausgeglichen. Wir können heute froh darüber sein.
Als Stadtplaner fällt das Fehlen von städtebaulicher Ordnung auf. Sofern keine historisch kontinuierliche Entwicklung, hier vor allem unter venezianischer und später französischer und englischer Direktive in Dörfern oder Städten vorliegt, haben wir es mit kapitalistischem Wilden Westen zu tun. Griechische Korruption und Vetternwirtschaft stehen in voller Blüte. Dies wird schon bei Asterix bei den Olympischen Spielen richtig charakterisiert: „Ich führ euch zu einer guten Herberge in Athen. Sie gehört meinem Vetter Plexiglas!“ „Schöne Pferde habt ihr da!“ „Ja, ein hervorragendes Gespann…Alles Vettern“. Ich glaube, kein anderer europäischer Staat hat schon drei Staatsbankrotte in seiner jüngeren Geschichte hingelegt. Bezahlt haben es immer die kleinen Leute, auch den jüngsten, bei dem die Auflagen der EU-Retter vor allem die kleinen Leute getroffen haben. Die griechischen Milliardäre sind nicht angemessen belangt worden, sondern haben hieraus sogar noch Kapital geschlagen. Wer auf Korfu also rumliegendes Kapital hat, kauft ein Grundstück am Meer oder in der Nähe (der verseuchte Streifen ist in Acharavi bestimmt 2 km breit). Dann verfällt die Olivenbaumkultur, weil die Eigentümer lieber die Grundstücke verkaufen, als Olivenbäume pflegen. Ich bin Straßen entlanggegangen, da stand an jedem zweiten Grundstück das Schild „zu verkaufen“ (natürlich auf griechisch und englisch). Die Olivenbäume werden dann nicht mehr geerntet, und das obwohl derzeit der Preis für Olivenöl hoch ist und jeder Baum, der zu venezianischen Zeiten gepflanzt worden war, ein Naturdenkmal ist.
Allein mit dem Baumaterial, das in halbfertigen Gebäuden, Ruinen oder halbfertigen Stockwerken verbaut ist, die in der Gegend ungeplant rumstehen, könnte man bestimmt einige schöne geplante Siedlungen realisieren. Wenn nur die Hälfte dessen, was man über griechische Genehmigungspraxis kennt, wahr ist, ist der Zustand kein Wunder. Dass dabei die Landschaft vor die Hunde geht, ist klar. Das erschreckende Bild ist auch am Strand eindrucksvoll, einige hundert Meter Siedlungslinie reichen zur Erkenntnis. Da wechseln sich gepflegte Hotels und Villen, Tavernen, Ruinen, angefangene, aber nicht weiter bearbeitete Bauten, unbebaute Grundstücke oder Häuser, auf denen schon seit Jahrzehnten der Bewehrungsstahl für weitere Geschosse oben herausschaut, munter ab.
Und man muss nicht meinen, dass das öffentliche Wegesystem auch nur annähernd ein System wäre. Ein öffentliches Recht, etwa nach einem durchgehenden Weg oder einer Straße am Wasser oder wenigstens parallel dazu, hat wohl noch niemand hier formuliert.
Man bewegt sich am besten am Strand, der aber nicht gut durchgängig leicht begangen werden kann. Hier kommt eine natürliche Besonderheit dieses Strandes zum Tragen. Es gibt kleinteilige Wechsel von Sand, Kies, Feinkies und allen möglichen Zwischenformen. Mal ist der Untergrund fest (Sand) mal nicht und das geht sowohl mit Sand als auch mit Kies. Gutes Schuhwerk hilft. Ich freue mich an dieser doch weitgehend naturbelassenen Struktur und habe einige Kilometer Strandlauf bewältigt.
Nicht nur die Küstenarchitektur ist ein gestalterisches Wechselbad der Gefühle, sondern auch die touristischen Orte, sofern nicht historisch. Aufhalten kann man sich da eigentlich nicht. Die Tavernen versuchen, diesem Umstand dadurch Rechnung zu tragen, dass sie ein eigenständiges Ambiente schaffen, das möglichst zur Straße hin abgeschirmt wird. Das geht zwar manchmal merkwürdige Wege – Beispiel ist die Pirates Bar in Roda, wo man zwischen Skeletten speisen kann – aber so kann man wenigstens zwischen unterschiedlichem Ambiente auswählen, die Speisekarten ähneln sich doch sehr. Gehwege gibt es nur bedingt, die Hauptstraße von Acharavi zeichnet sich durch boulevardartige Seitenbereiche, sogar mit Baumbepflanzung weit vor anderen aus, Ausnahme ist Kerkyra, hier gibt es sogar eine Fußgängerzone. So Dinge wie behindertengerechtes Bauen etc. haben hier noch keinen Eingang gefunden, noch nicht einmal bei EU-geförderten Maßnahmen, wo man dann wieder die Frage hat, wo denn unser schönes Steuergeld versackt ist.
Geht man in das Landesinnere, ändert sich der Eindruck mit der Entfernung vom Meer. Die Verkaufsschilder an den Grundstücken nehmen ab und hören schließlich fast ganz auf. Die Bewirtschaftung der Olivenbäume nimmt zu, komischerweise korrespondierend zur Höhe über dem Meer. Hinter Acharavi steigt das Bergmassiv um den Pantokratoras an. Die Bergwelt besteht hier zu einem großen Teil aus Plattenkalk, der in den oberen Regionen in verschiedenen Formationen zu Tage tritt, teilweise gibt es schöne Aufschlüsse mit Flint- oder Kalkeinlagerungen. Ich habe ein schönes Stück Bergkristall-Teppich mitgenommen. Es gibt auch Höhlen und partiell Dolmenbildung, für die ja auch das benachbarte Festland bekannt ist. Ist man erst mal etwas höher unterwegs, wird es wunderschön, es ist wie in den Dolomiten, nur mit großartigen Aussichten auf die Küste, das Vorland und die Felsformationen der benachbarten Berge. Allein die geologischen Erkenntnisse, die man hier auf kurzen Strecken gewinnen kann, begeistern. Dazu die Aussichten und die Botanik, hier sieht man schöne Pflanzenkonstellationen, Blüten, Früchte und andere wunderbare Naturelemente. Ich picknicke neben einer Gruppe von Goldkrokussen, die in spärlichen Lebensräumen in Felsspalten stehen. Neben den Olivenbäumen fallen in den Wäldern vor allem Mastix und Lorbeerbaum auf. Es gibt auch Erdbeerbäume und andere, mir nicht bekannte Arten. Eine Erkundung zu Fuß ist einmalig.
Leider wird man dann gelegentlich auch wieder an das Primat des Tourismus erinnert. Hier wird ja alles angeboten, was sich irgendwelche Touristen mit Geld wünschen können. In den Bergen zeigte sich das durch eine geführte Quad-Tour. Sechs Quads düsen durch die Bergwelt an mir vorbei. Bei einer anderen Wanderung sind es dann Cross-Motorräder. Hier wünscht man sich dann doch etwas Umweltschutz.
Der ist Ort wenig ausgeprägt. Sichtbarstes Zeichen ist die Vermüllung der Landschaft Und auch der vor allem kleinen Siedlungen. Auf Privatgrundstücken, die nicht mehr intensiv genutzt werden, stapeln sich nicht mehr benötigte Materialien, Grünabfall, Fässer unklaren Inhalts und alles, was man aktuell nicht mehr benötigt oder was man vielleicht irgendwann noch benötigen könnte. Hinzu kommt, dass der öffentliche Straßenraum gerne zum Abstellen von Schrottautos benutzt wird. Hier wird die Entsorgungslast der Einzelpersonen bequem auf die Allgemeinheit abgewälzt. Diese tut das aber nicht, sondern lässt die Autos an der Straße eben stehen. Die wahrgenommene Umweltqualität nimmt dann entsprechend ab. Soweit bekannt, gibt es auch keine Mülltrennung, Pfandsysteme etc. Ein Wunder, dass das Meer so sauber erscheint. Es scheint sich aber etwas zu tun. Die Müllsammlung wird von einer Firma „Recycling works“ durchgeführt und wir sind an einem Müllplatz vorbeigefahren, der tatsächlich nach Mülltrennung aussah. Das Wort ist also schon bekannt, aber wir sind ja in Griechenland, Skepsis darf angebracht sein.
Die EU und ihre Instrumente der Wirtschaftssubvention dient vor allem dem Tourismus. Umweltaspekte kommen wohl nicht zum Tragen. Anreize für nachhaltiges Arbeiten, investieren oder konsumieren scheinen nicht vorhanden zu sein. Da wünscht man sich doch, egal an welchen Stellen, eine weitsichtige Hand.
Der Tourismus schlägt weitere bauliche Wellen. Es gibt verschiedene touristische Orte. Da sind die Hochburgen, die nur Tourismus sind. Durch die Hauptstraßen von Roda oder Sidari möchte man nicht gehen, schon gar nicht in der Hauptsaison oder abends. Man stellt sich das schön schrecklich vor, gefüllt mit übermütigen und später wahrscheinlich auch überabgefüllten Menschen aus den Ländern, die man als Herkunftsländer solcher Menschengruppen einstuft. Wo sonst werden etwa bunte Penisse als Schlüsselanhänger angeboten? Dann gibt es Orte wie Acharavi, die man eher als Familienurlaubsort mit hoher Bedeutung für älteres Publikum einstufen kann. Hier halten sich auch die Souvenirgeschäfte in Grenzen, der Geschäftsmix ist trotzdem durch Autovermietungen, Bootsvermieter, Tauchschulen und natürlich Gaststätten etc. touristisch bestimmt.
Dann gibt es die kleinen Bergdörfer und frei in der Landschaft stehende Gebäude, wo naturgemäß wenig Menschen übernachten können. Hier gibt es Einzelunterkünfte, selten kleinere Hotels und keine Geschäfte. Dort wohnen auch viele Menschen, die nicht zwingend Strandurlauber sind.
Schließlich gibt es noch die „richtigen“ Ortschaften, von denen es auf Korfu nicht so viele größere gibt, neben Kerkyra kann man noch Kassiopi und die älteren Orte wie etwa Lefkimmi, Perivoli oder Benitses dazu zählen.
Kassiopi wird gerne als Tagesausflugsziel gewählt, so haben wir es auch gemacht. Mit dem öffentlichen Bus hin und zurück. Das Unternehmen Green Busses hat offensichtlich ein Monopol in ganz Griechenland. Man fährt teilweise noch mit Schaffner/Schaffnerin, was bei den hauptsächlich touristischen Fahrgästen praktisch ist. Wenn der Fahrer immer alles in Fremdsprache erklären müsste, würde der nicht weiterkommen. Die Schaffner*innen, die wir kennengelernt haben, sind richtige Entertainer, da macht es Spaß, mitzufahren. Der Preis ist unglaublich günstig, die Fahrthäufigkeit entsprechend gering und die Verlässlichkeit angesichts der vollen Straßen ebenfalls gering. Aber man kommt immerhin an. Da hauptsächlich Touristen die Busse frequentieren, ist im Umkehrschluss klar, dass der Grieche/die Griechin hauptsächlich mit dem motorisierten Zwei- oder Vierrad unterwegs ist. So sieht es auch aus. Fahrräder habe ich hauptsächlich in touristischen Händen gesehen. Zur Ehrenrettung der Griech*innen ist jedoch zu erwähnen, dass sicher die Hälfte der hier fahrenden Pkw Leihwagen sind, die von Tourist*innen gesteuert werden.
Kassiopi ist ein historischer Hafen, der seit der Antike als Zwischenstopp zwischen Griechenland und Italien/Venedig genutzt wurde. Eine hufeisenförmige natürliche Schutzlage wurde dann zur Siedlung in venezianischer Zeit gebaut, hiervon ist noch etwas zu sehen. Auch hier haben auf mich allerdings die natürlichen Felsschichtungen der Landzungen den größten Eindruck gemacht. Die Hauptstraße ist touristisch, richtige Sehenswürdigkeiten im baulichen Sinne gibt es weniger, sie sind neben einem Haus auf dem Kirchdach vielleicht in der Ruine der venezianischen Festung zu sehen, aber solche Steinhaufen gibt es in ganz Europa. Am besten man setzt sich in eins der Cafés oder Restaurants mit Blick auf den Hafen und lässt die Zeit verstreichen…
Zu einem richtigen Korfu-Aufenthalt gehört natürlich der Besuch der Inselhauptstadt Kerkyra. Mit dem öffentlichen Bus kommt man gut hin und steigt mitten im ökonomischen Zentrum aus. Kerkyra hat nur ca. 30.000 Einwohner, aber ein Geschäftszentrum, das sich mit einer Großstadt messen kann. Dazu tragen vier Personengruppen bei. Zum einen die Hauptstadtbewohner*innen selbst. Dann die etwa weiteren ca. 80.000 Bewohner*innen der Insel insgesamt, die hier ihren nicht-täglichen Bedarf decken oder Kultur wie das Theater frequentieren wollen. Dazu kommen die Inseltouristen und schließlich noch die Schiffstouristen, allen voran die Kreuzfahrtteilnehmer*innen. Als wir da waren, hatten zwei Kreuzfahrtschiffe mittleren Kalibers angelegt. Kalkuliert man für die Kreuzfahrer jeweils ca. 2.000 Personen ohne Personal, waren schon mal zusätzliche 4.000 Personen in der Stadt. Schnell stellt sich aber heraus, dass die Menschen sich auf wenige Haupteinkaufsstraßen sowie die touristischen Hotspots, vor allem die alte Festung, konzentrieren. In der sonstigen Altstadt kann man es aushalten. Die Stadt ist baulich italienisch geprägt, vergleichbar mit den oberitalienischen Städten. Die mehrere Jahrhunderte dauernde Regierung der Republik Venedig hat die Stadt gestalterisch bestimmt. Insbesondere, weil nach der großen Verstärkung der Alten Festung 1537 die bis dahin bestehende Siedlung neben der Festung dem freien Schussfeld für die neuen Kanonenbastionen weichen musste. So musste sich die Stadt neu erfinden, was dann eben im typisch italienischen Stil geschah. Hinter dem Netz von Mauern, das mit der Verstärkung der beiden Festungen und ihrer Verbindungen entwickelt wurde, konzentrierte sich die Stadt auf einen klar begrenzten Raum, der durch diese samt frei geräumten Schussfeldern und Wasser begrenzt wurde. Nach der Machtübernahme der Briten wurde diese Grundstruktur dann noch etwas verschönert, die Spianada und die Arkadenhäuser Liston zeugen davon. Die Arkadenhäuser könnten auch in Mailand, Venedig oder Lugano stehen. All dies ist für den versierten Italienurlauber nicht überraschend.
Übrigens ist interessant, dass das antike Kerkyra etwas weiter südlich angelegt worden war, direkt am Wasser auf der Halbinsel Analipsis. Hiervon zeugen Ausgrabungen, die eine Besiedlung schon in früher vorchristlicher Zeit belegen. Das geistliche Zentrum war auf dem Hügel, der nun zum Park von Mon Repos gehört. Irgendwann im 9. Jh. hat man dann gemerkt, dass nach einigen Überfällen von Piraten, Arabern und anderen Aggressoren, ein geschützter Ort doch eine gute Idee wäre und hat die Siedlung zuerst auf die Burg, dann bei zunehmender Befestigungstätigkeit, davor verlegt. Die hat dann, rechnet man die Neugestaltung im 16. Jh. nicht mit, bis zum 2. Weltkrieg gehalten, gegen Bomben konnte man damals noch nichts unternehmen.
Der Lobgesang der Reiseführer über die Spianada kann nicht nachvollzogen werden. Der Park ist nicht gut gepflegt, die Maitlandrotunde baufällig, die historische englische Konstellation ist nur noch schwach wahrnehmbar und über allem schwebt Geruch und Lärm der fahrenden und in Massen hier abgestellten Autos. Kricket spielt hier sicher keiner mehr. Der Gouverneurspalast macht einen grenzwertig restaurierten Eindruck. Nur an den Arkaden ist das Leben so, wie man es auch in Lugano erwarten würde. Und alles ist durchzogen von uns Tourist*innen, auf der Suche nach Fotomotiven, günstiger Verköstigung, besonderen Highlights oder Einkaufsobjekten.
Was den Kern der Alten Festung ausmacht, ist der Felsen am Wasser. Man denkt an Gibraltar in klein. Durch den Graben und die Spianada ist aber eigentlich keine Beziehung zur Stadt gegeben. Ist man in der Altstadt abseits der Hauptgassen unterwegs, fühlt man sich nicht in Griechenland, erst in der Taverne fällt es wieder auf. Einige schöne abseitige Plätze machen das Spazieren angenehm. Auch ein Besuch beim heiligen Spiridons war Pflicht, hier war vor allem zu merken, wie wenig wir westlichen Menschen die Spiritualität der Ostkirche empfinden können. Eigentlich muss man da Touristen nicht reinlassen.
Aussagen von Reiseführern wurden auf der Wanderung nach Nimfes relativiert. In Nimfes, so liest man, gibt es einen Wasserfall, in dem schon antike Nymphen gebadet haben sollen. Ein anderer Reiseführer gibt als Badeort einen Brunnen im Ort Nimfes an. Man muss schon sagen, dass ein Ort, der nach Nymphen heißt, irgendetwas damit zu tun haben muss. Die Wanderroute (wie alle selbst geplant mit Komoot) verläuft sehr abwechslungsreich hauptsächlich durch bewirtschaftete Olivenhaine, nachdem man erst einmal die touristisch und spekulativ verseuchte Zone hinter sich gelassen hat. Teilweise wohnen die Bauern in den Hainen oder haben auch Ziegen mit dabei. Der vermeintliche Wasserfall selbst ist eine Enttäuschung. Geologisch interessant ist die große senkrechte Felsplatte, über die sich wohl manchmal auch Wasser bewegt. Nur jetzt nicht. In dem bekannten ausführlichen Reiseführer steht: “…insbesondere nach Regenfällen kräftigen kleinen Wasserfälle“. Richtig müsste es vielleicht heißen: Manchmal gibt es, wenn es länger geregnet hat, eine wasserfallartige Erscheinung. Obwohl es in den letzten Tagen geregnet hat, war kein Wasserfall zu sehen, die hauptsächlich deutschen Touristen waren etwas frustriert. Noch frustrierender ist aber, dass die griechischen Tiefbauer, die ein kleines Plateau für die vielen Touristen gebaut haben, für die Befestigung mit Hausmüll angereichertes Material verwendet haben, das nach einigen Auswaschungen oberflächennah zu sehen ist. Hässlich, hässlich, hässlich. Da hätte auch ein kleiner Wasserfall nichts genützt.
Dabei sind Nymphen Naturgeister, die gerne als jugendlich weiblich dargestellt werden. Die Najaden sind die Nymphen der Quellen und Frischwasserströme und der Göttin Artemis zugeordnet. Und da kann man sich sehr gut vorstellen, dass diese in dem ehemals abgelegenen, als Quelle des Baches anzusehenden Wasserbecken am Wasserfall existiert haben können. Aber wie man weiß, sind Nymphen menschenscheu und wohnen jetzt, wo der Ort auch mit Abfällen versehen ist, sicher nicht mehr da. Beim Brunnen waren sie wegen der Siedlungsnähe ebenfalls nicht. Schade, denn Nymphen, glaubt man unseren Malern, sind sehr schön.
Der Brunnen schließlich im Ort ist interessant und wurde offensichtlich mit EU-Mitteln gebaut oder saniert. Leider funktioniert keines der fünf Brunnenrohre, nur zwei seitlich angebrachte Speier sind in Betrieb. Wenigstens gibt es hier, wahrscheinlich auch mit dem EU-Geld bezahlt, Bänke für Picknick etc. So etwas ist auf Korfu selten in der Landschaft anzutreffen. Zum Ausgleich hat auch keine der in der Nähe liegenden etwa fünf Gaststätten geöffnet. Hier sei angemerkt: Traue niemals einer Aussage eines griechischen Gastronomen. Da steht noch eine große Werbetafel: „All day open“. Nix is open. Stimmt nicht ganz, etwas weiter entfernt im wohl historischen Ortsbereich gibt es noch eine typische Kaffeebar, in der nur Männer sitzen, heute war es nur einer. Das Dorf selbst wird im Baedeker beschrieben „das unscheinbare Dorf… ist aber durchaus reizvoll“. Nach Durchsicht muss ich interpretieren: Reizvoll= ärmlich, heruntergekommen, vermüllt, ruinös mit Zeichen alter Größe. Als Planer würde ich sagen: Abreißen.
Zum Wahrheitsgehalt der Verlautbarungen griechischer Gastronomen noch eine Ergänzung: Nach der Tour komme ich in Roda an, das ja, wie schon beschrieben, seeehr touristisch ist. Aber der Durst siegt. Die vermeintlich natürlichste Strandbar wurde auch ausgewählt, weil hier verschiedene Biere, vor allem auch korfiotische, angepriesen wurden. Ich frage: Welche korfiotischen Biere haben Sie? und freue mich auf ein Corfu Special red. Antwort: Alfa. Ich frage, haben Sie nicht noch etwas anderes? Ich könnte auch ein Heineken oder Amstel bekommen. Das Alfa bekomme ich dann in einem Glas von der Carling-Brauerei aus Kanada, die allerdings den größten Umsatz in UK macht. Als Entschädigung ist das Bier supergünstig, 0,5l für 3 €. Das erklärt vielleicht, warum Roda vor allem für britische Urlauber*innen so attraktiv ist.
Hier noch eine Bemerkung zu Bier. Auf Korfu gibt es eigentlich nur eine freie Brauerei, Corfu beer in Arillas. Schon beim Begriff „griechisches Bier“ wird es schwierig. Nach dem Ankommen wundert man sich, dass man überall Heineken und Amstel angeboten bekommt, daneben natürlich auch Mythos. Man kann auch Moretti oder Henninger bekommen. Ein Henninger fanden wir in unserer Minibar vor. Die vermeintliche Vielfalt erklärt sich mit dem Gegenteil. Durch die Konzernbildung werden viele Biere von einer Brauerei gebraut. Beispiel ist die Athenian Brewery, eine der ältesten griechischen Brauereien. Diese hat als eigene Marke das Alfa Bier, das hier vielerorts vom Fass ausgeschänkt wird. Nach der Übernahme durch Heineken wird dort sowohl Heineken als auch Amstel gebraut, die schon vorher von Heineken geschluckt worden waren. So gesehen sind also auch das Heineken und das Amstel, die auf Korfu ausgeschänkt werden, griechische Biere. Ähnlich verhält sich das auf der Konkurrenz-Seite, der Carlsberg-Brauerei. Diese hat die Olympic Brewery in Thessaloniki übernommen. Dort wird neben Mythos noch Fix, Kaiser (auch eine ehemalige Henninger-Marke) und eben Henninger gebraut. Also auch alles griechische Biere. Bei Henninger zeigt sich der Konzern-Wahn noch deutlicher. Henninger gehört als Marke nach einigen Übergangsschritten zur Radeberger Gruppe. Diese lizensiert diese für die ausländische Präsenz, für Griechenland eben an die Carlsberg-Gruppe, die das dann von der Olympic Brewery brauen lässt. Herr Henninger würde sich glaube ich sehr sehr wundern.
Über den Reiseveranstalter mieten wir für zwei Tage ein Auto. Wir entscheiden uns für einen Opel Corsa, der sich als schon ziemlich verschrammt herausstellt, dies senkt jedoch die Sorge, mit dem Auto in den angekündigt engen Straßen von Korfu anzuecken. Die Übergabe verläuft problemlos und los geht’s. Fahren tut er wie eine 1, außerdem sind wir ja derzeit Opelaner. Tatsächlich stellt sich heraus, dass die Angabe der Reiseführer, besser mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h zu rechnen, schon eher die Obergrenze darstellt. Einen großen Teil unserer ersten Tagesstrecke von vielleicht 200 km haben wir im zweiten und dritten Gang zurückgelegt. Nachdem wir kurz den Canal d’amour besichtigt haben, stand das Cap Drastis auf dem Speiseplan. Daraus wurde aber nichts, da der kleine Parkplatz mit ca. 8 Plätzen schon überfüllt war und als Alternative nur Parken im Straßengraben oder weit weg zur Verfügung stand. Also wieder zurück. Der nächst Punkt war Afionas mit der Doppelbucht bei Porto Timoni. Der Ort ist, hat man erst mal das Parkchaos überwunden und einen bewachten Parkplatz für 8,-€ ergattert, sehr malerisch, sehr klein und sitzt auf einem Felsrücken. Danach geht es über einen Felspfad zum „View Point“. Dieser groß angekündigte Punkt entpuppte sich als Gruppe von Felsen, die in keiner Weise touristisch vorbereitet waren. Wer gute Schuhe hatte, war klar im Vorteil. Der Blick ist grandios, neben der Weite mit Felsformationen und Stränden gab es eben diese Situation der Doppelbucht. Das lohnt dann schon die ca. 40 min Fußweg hin und zurück. Heute mit vielen osteuropäischen Touristen. Zurück im Ort fällt hier vor allem der schöne Pflanzenbestand auf, der Gebäude und Gärten verschönert. Bisher war das noch nicht als typisch korfiotische Eigenschaft aufgefallen, ist aber später noch häufig aufgetreten. Da man hier auch mit dem Bus hinkommt, ist der Ort auf größere Personenströme eingerichtet.
Einen griechischen Kaffee später ging es dann nach Paleokastritsa, nach einigen Aussagen das schönste Dort auf Korfu. Davor war aber noch der Abstieg auf den berühmten schmalen korfiotischen Straßen zu bewältigen. Die befürchtete Begegnung mit Bussen haben wir hier zweimal erlebt, einschließlich bergauf rückwärts setzen. Sehr spannend, aber machbar, korfiotische Autofahrer haben einen eingebauten Millimeter-Maßstab. Unten angekommen, wartete wieder ein bewachter Parkplatz. Von einem Dorf, in dem man nach Reiseführern durchschlendern kann, ist nichts zusehen. Eher eine lange Hauptstraße, die von Touristen auf dem Weg vom oder zum Hotel bevölkert wird. Wohl ist hier eine sehr schöne Natursituation mit einem Strand zwischen Felsformationen zu bewundern. Diese Naturschönheit wird gnadenlos durch die touristischen Instanzen ausgebeutet. Was die Reiseführer am Ort finden, bleibt denen überlassen, wahrscheinlich wird munter voneinander abgeschrieben und verklären ein Bild von vor 20 oder 30 Jahren. Auf jeden Fall kann man von hier mit dem Boot zu den Grotten etc. fahren.
Wo man den Reiseführern zustimmen muss, ist das Lob des Klosterbesuchs. Das ist sicher der schönste Ort auf Korfu, sofern es Lage, Bauten und Gebäude angeht. Kleine Platzbereiche mit unterschiedlicher Bepflanzung, ein offener Bogengang und ein kleiner Garten umstehen eine Klosterkirche, es gibt auch ein kleines Museum mit christlicher Kunst. Die Klosterkirche hat alles, was eine griechisch-orthodoxe Kirche haben muss. Alles ist in guter Verfassung, viele Touristen spenden Geld, es muss sich hier also aushalten lassen. Allerdings steht auch das Kloster wieder auf einem Berg, der bestiegen oder befahren werden will. Wir hatten die Fußversion gewählt.
Unser Mittagsimbiss in einem Touristenrestaurant (wohl das ehemals vom Staat als Tourismusförderung gebaute Hotel, jetzt nur noch Restaurant) mit schönem Blick bestätigt ein weiteres Vorurteil: Überall bekommt man gutes Essen zu einem guten Preis. Aufpassen muss man vielleicht bei den Getränken. Hier in Paleokastritsa war allerdings das Personal etwas angestrengt, was wir sonst weniger erlebt haben. Nur hier haben wir Personal gesehen, das mit dem berühmten Knopf im Ohr mit Spiralkabel herumläuft. Man denkt an amerikanische Agentenfilme, allerdings sind die Kabel hier weiß.
Danach geht es auf nach Lefkimmi. Wir wollten dahin, weil es die südlichste Stadt auf Korfu ist und weil dort ein Kanal-Hafen eine Besonderheit darstellt. Der Weg dahin war abenteuerlich, das Navigationssystem hat den kürzesten Weg gewählt. Der bestand aber aus gefühlten 30 km meistens einspuriger Bergstrecke, im günstigen Fall im 3. Gang befahrbar. Sehr schöne Ausblicke auf die Felsenküste und Buchten und Strände, Fahrt durch Olivenhaine und Natur sowie durch kleine Bergdörfer, die hier deutlich besser aussehen als Nimfes, aber anspruchsvoll für den Fahrer. So sind wir an der ganzen Westküste entlanggefahren. Irgendwo hier soll Odysseus gestrandet sein. Der Palast, zu dem der dann von Nausikaa gebracht wurde, lag aber wegen der vielen Felsen und Klippen bestimmt nicht unten an der Küste, sondern oben. Gefunden wurde bisher nichts. In Lefkimmi haben wir uns dann nach einigen Navigations-bedingten Irrungen tatsächlich am Hafen eingefunden. Dieser ist der einzige Flusshafen auf Korfu, aber man erwartet nach den Reiseführern etwas Größeres, der Hafen an einem vielleicht 15 m breiten Fluss ist vielleicht 200 m lang, mit begleitender Bebauung. Wir nehmen noch einen Imbiss, weil wir es wohl heute nicht mehr zum Abendbuffet schaffen. Die vermeintlich erste Taverne am Platz erwies sich aber als weniger gut, vor allem weil wir dann erstmalig von einer Schar Mücken oder Stechfliegen überfallen wurden. Später erfahren wir in Harrys Bar, das gerade in diesem Monat eine aggressive Mückenplage herrscht, bedingt durch die Temperaturen in Kombination mit Regenfällen. Zurück wurde dann über zwei Stunden im Dunkeln gefahren, aber weitgehend auf National- oder Distriktstraßen. Das ging erstaunlich gut. Abendausklang mit einem Longdrink.
Der Tag darauf war dann der Umgebung von Kerkyra gewidmet. Den Plan, dies alles mit öffentlichem Verkehr zu machen, haben wir dann zugunsten des Pkw aufgegeben. Zuerst Hinfahrt zum Achilleion. Hier fand sich sogar einen kostenfreien Parkplatz mit direktem Aufstieg zum Schloss. Vom Schloss erzählt man sich, dass mit EU-Geldern die Sanierung begonnen wurde, jedoch korruptionsbedingt derzeit gar nichts passiert, der Bauunternehmer soll mit der Kasse getürmt sein. Sehr schade, zum einen für unser Geld, zum anderen für das Gebäude, das es sicher verdient hätte. Man läuft also um eine stillgelegte Baustelle herum, bereits sanierte Abschnitte wechseln sich mit Bauschäden ab. Das Gebäude kann nicht betreten werden. Die Hauptfassade ist aber noch schön, auch die Gartenfassade kann sich sehen lassen. Kaiserin Elisabeth soll dies als den schönsten Ort der Welt bezeichnet haben. So ein bisschen kann das nachvollzogen werden, wenn man die sonstigen Annehmlichkeiten einer Kaiserin berücksichtigt. Es gibt Ausblicke in alle Richtungen, ein schönes kleines Schloss und einen sehr abwechslungsreichen Garten. Dieser hat mehrere Ebenen, die unteren sind mehr naturnah, die oberen artifiziell. Abgesehen vom Kolonadenhof ist man sehr an italienische Herrenhausgärten erinnert. Der Figurenschmuck soll gemäß Reiseführern kitschig sein. Das mag sein, passt aber im Großen und Ganzen zur Situation. Es gibt zwei Ausnahmen. Der Kolonadenhof wäre prägnanter ohne die Gruppe der Musen, die im Übrigen etwas schematisch wirken. Und dann ist da ja noch der Achill von Johannes Götz, den unser Kaiser Wilhelm hier hat aufstellen lassen. Vorher war hier eine wesentlich kleinere Achillstatue, nämlich des sterbenden Achilles von Ernst Herter, die Kaiserin Elisabeth an etwa gleicher Stelle platziert hatte. Diese wurde nach hinten gerückt zugunsten einer überdimensionalen Statue des siegreichen Achilles. Der Kaiser konnte wohl nicht ertragen, dass auch auf den Sieger der schnelle Tod wartet. Über die Parallele Achill-Siegfried kämen wir dann wieder auf die deutsche Germanentümelei. Für den Garten hatte der Kaiser den deutschen Botaniker Carl Ludwig Sprenger engagiert, der sehr differenzierte Ausblicke und Pflanzengesellschaften eingeführt hatte. Er hatte vorher schon für deutsche Adlige auf den Borromäischen Inseln botanische Wunder installiert. Einige der von ihm gezüchtete Yucca aloifolias haben sich im Umfeld des Achilleion ausgewildert.
Wie schon erwähnt, ist die Baustellensituation nicht so ganz erbaulich, immerhin fanden wir Restauratoren bei der Arbeit an den Musen vor. Etwas wird noch getan, aber nicht am Gebäude.
Als nächstes stand die Halbinsel Analipsis, und hier zuerst der Park Mon Repos auf dem Plan. Parkplatz auf der Straße direkt vor dem Eingang. Der Park erweist sich als schon stark verwildert, von der ordnenden Hand des Landschaftsarchitekten ist nur für den Kenner noch etwas zu erkennen. Beachtlich und besonders erwähnenswert ist eine Gruppe von Magnolien (Magnolia grandiflora?) in der Nähe des Heratempels, die sich zu riesigen Bäumen entwickelt haben, so wie ich es noch nie gesehen habe. Die Ausgrabungsstätte des Heraheiligtums ist auch interessant, weil dies wohl das geistliche Zentrum der antiken Siedlung von Kerkyra war. Man kann sich einiges vorstellen, wenn man dort steht. Die waldartige Atmosphäre tut das Ihre dazu. Der Heratempel war für seine Zeit, ca. 590 vor Christus, sehr groß und dürfte zu den ersten griechischen Großtempeln gehört haben. Dies zeugt von der Leistungsfähigkeit der damaligen Stadtgesellschaft auf Korfu. Der Tempel war von einem fast runden Tempelbezirk samt Mauer umgeben, was der natürlichen Form der Hügelkuppe entsprach. Interessant ist, dass schon etwa 10 Jahre später, also noch von der gleichen Generation, ein etwas größerer Artemistempel außerhalb des Tempelbezirks gebaut wurde. Warum? Übersetzt man das auf spätere Technikmöglichkeiten, wäre das so, als hätte man nach Fertigwerden des Petersdoms mit einem zweiten nur wenige Meter danebenstehendem Dom begonnen. Soweit ich weiß, kann das auch nicht mit Konkurrenzdenken der Göttinnen begründet werden. Hier weiß ich einfach zu wenig.
Als Architekt des Schlosses Mon Repos erwähnt Baedeker den Briten George Whitmore. Das ist nicht ganz richtig, denn George Whitmore war British Army Officer und Mitglied der Royal Engineers. Auf Deutsch also Militäringenieur. Offensichtlich waren sowohl seine Fähigkeiten, als auch seine Bekanntschaft mit dem Gouverneur oder einfach nur das Vertrauen des Gouverneurs in seine Truppe ausschlaggebend dafür, dass ihm der Entwurf für den Gouverneurspalast und eben auch für das Schloss von Mon Repos anvertraut wurde. Man darf vermuten, dass die gesamte korfiotische Abteilung der Royal Engineers am Planungs- und Bauprozess beteiligt wurde. Ein Landschaftsarchitekt wird leider nicht genannt, aber wenn er von Whitmore unterschiedlich sein sollte, fänden wir ihn sicher in den Reihen der Royal Engineers. Im Fazit kann man sagen, dass auch Militäringenieure schöne Situationen abliefern können. Das könnte ruhig stärker hervorgehoben werden.
Die Kunst der englischen Landschaftsparks bestand ja darin, auch Spolien zu integrieren. Hier bot sich der schon 1822 entdeckte dorische Tempel auf dem Kardaki-Gelände an, der bei der Anlage des Parks um 1831 integriert werden konnte, vielleicht war er auch mit Anlass für die Größe des Parks, der seine größte Ausdehnung eben am Tempel hat. Früher standen noch mehr Säulen aufrecht als heute, wir fanden noch zwei stehende vor, auf den historischen Fotos im Schloss sind auf der Schmalseite noch vier aufrechtstehende Säulen zu sehen. Der Ort ist mystisch, auch weil unklar ist, wem der Tempel gedient haben könnte. Er steht über einer Quelle, die deutlich unterhalb liegt. Ein Zusammenhang ist aus meiner Sicht wahrscheinlich. Da denkt man natürlich direkt an die Quellnymphen, und von da aus an die zuständige Göttin. Die Ausstellung im Schloss erläutert, dass hier die Nymphe Makris gewohnt hat. Deren Mythologie ist mit der Insel der Phäaken verbunden, die Apollonios mit Korfu gleichgesetzt hat, was auch mit dem Odysseus-Kult zusammenhängen mag. Auf jeden Fall war Makris in einer der vielen mythologischen Erzählungen die Amme von Dionysos. Der Tempel wäre demzufolge vielleicht Dionysos gewidmet gewesen, da die ebenfalls in Frage kommende „Chefin“ der Quellnymphen, Artemis, bereits einen Tempel hatte. Beweise für irgendeine Zuschreibung gibt es wohl bis heute nicht wirklich. Dieser Tempel von ca. 510 v.Chr. wurde drei Generationen nach den beiden Großtempeln gebaut. Hier kann man sich schon vorstellen, dass sich die Gewichte in Kult und Bedeutung der Götter verschoben haben, so dass ein weiteres, allerdings deutlich kleineres Tempelchen gebaut wurde. Ein Dionysos-Tempel ist, auch wegen der von ihm verkörperten weltlichen Freuden, eine schöne Vorstellung.
Das Schloss ist ein Museum. Obwohl von einem Militäringenieur, zeigt es die typischen Elemente des Klassizismus und ist mit halbrunden Gartenzimmern und einer Wedgwoods-Kuppel besichtigenswert. Unten gibt es historische Fotos aus dem 19. Jh. von Kerkyra und Umgebung, auch von Menschen. Darüber hinaus, leider nicht begehbar, musterhaft ausgestattete Räume und antike Skulpturen, begehbar ist ein Raum zur örtlichen Botanik. Im Obergeschoss sind vor allem die Informationen zu den Ausgrabungen spannend, aber nur, wenn man die Stellen in situ vorher gesehen hat.
Danach sollte es das Kloster Vlacherna und Kanoni sein. Mit dem Auto landen wir aber nicht unten, sondern oben bei den Hotels, Restaurants und der Kanone. Da bleiben wir zunächst und genießen die gute Aussicht, Essen und Trinken und den gelegentlichen Krach startender Flugzeuge. Dass für einen Plane-Spotterplatz in den Reiseführern so viel Werbung gemacht wird, würden sich die Leute in Frankfurt auch wünschen. Ich kann dem nichts abgewinnen. Auch ein einschwebendes landendes Flugzeug hat jeder doch schon mal gesehen, das kann man in Hennef beim Köln-Bonner Flughafen im Garten von Freunden immer haben. Die Klosterinsel ist so, wie im Baedeker beschrieben, eigentlich muss man da nicht hin. Auch nicht zur Mäuseinsel, außer man ist Sisi-Adept und muss sich mit dem dortigen Memorial ablichten lassen. Allerdings ist schon bemerkenswert, wenn man liest, dass die Kaiserin zwischen Mäuseinsel Pontikonissi (die letzten vier Buchstaben können auch als Anagramm von Sisi aufgefasst werden) und Vlacherna „hin und her“ geschwommen sei. Respekt! Ich schätze, 99% unserer aktuellen Bevölkerung schaffen das nicht.
Und ebenfalls bemerkenswert ist die optische Erscheinung der Pontikonissi. Ich denke sofort an Böcklins Toteninsel, egal in welcher Fassung. Später lese ich bei Wikipedia, dass tatsächlich Hypothesen zur realen Vorlage des Bildes unter anderem auf die Mäuseinsel tippen. Man muss sich im Bild nur die begrenzenden Felswände wegdenken, dann passt es schon ganz gut. Nach längerem Überlegen glaube ich nicht, dass die Pontikonissi das Vorbild war, aber der erste Eindruck ist vor diesem Hintergrund überwältigend.
Zum Abschluss des Tages haben wir noch eine Tour an der Nord-Ost-Küste vor uns. Es zeigt sich, dass die Küste zwischen Ipsos und Kassiopi hier wieder ganz anders ist. Felsen bis zum Meer mit kleinen Ortslagen, teilweise auf Bergspornen und kleine Buchten, wie man es auch von der Ostküste von Mallorca kennt. Die Küstenstraße verläuft meistens auf halber Höhe in einer Ausbauform, die an italienische Küstenstraßen, etwa am Lago Maggiore erinnert. Einmal mussten wir vor einem Bus zurückweichen. Wenn so ein Fahrzeug durch die engen Dorfgassen fährt, verdunkelt sich die Sonne. Das Bergmassiv des Pantokratoras fällt hier ziemlich direkt ab und die Felsen gehen steil ins Wasser. Zusammen mit den grandiosen Ausblicken über das Meer hin zur gegenüber liegenden Küste mit den dortigen Bergen ein tolles Erlebnis.
Schließlich muss es noch das Dorf Paleo Perithia sein. Es macht doch neugierig, wie ein verlassenes ruinöses Dorf wiederbelebt wird. Die schmale Bergstraße entspricht korfiotischem Standard, einige Teilstrecken sind sogar frisch asphaltiert und mit neuen Seitenmarkierungen ausgestattet. Oben am Parkplatz angekommen, ist man zunächst ratlos. Der Baedeker schreibt etwas von „venezianischem Charakter“. Den gibt es höchstens an wenigen Steinverzierungen. Es ist ein ehemaliges Bergdorf mit Häusern aus teilbehauenem Naturstein, die weitgehend noch vorhanden sind. Einige Häuser sind von Liebhabern reaktiviert worden, teilweise mit schönem Umfeld. Bei den Kirchen (tatsächlich 8 für ca. 130 Häuser!) ist davon nichts zu spüren. Es gibt ein Hotel! Und dann noch gefühlte fünf Tavernen. Jetzt ist klar, warum in allen Reiseführern steht, dass man dahinfahren muss. Sonst könnten die nicht bestehen. Außerdem wird zusätzliches Geld für die noch anstehenden Sanierungs- und Reaktivierungsarbeiten benötigt. Also, wer noch in ein aufstrebendes Projekt investieren will, findet hier viel Auslauf. Großartig ist die landschaftliche Einbettung, die ich schon bei meiner dritten Wandertour von oben sehen konnte. Der Pantokratoras liegt zum Greifen nah, Kalkrasenhänge umgeben fast kesselartig den Ort, der wohl um eine Quelle oder einen Quellhorizont herum gruppiert ist. Solche Geisterdörfer kennen wir in Europa überall dort, wo die anstrengende Bergkultur mit der knappen Versorgungslage für bessere Verdienstmöglichkeiten im Tal oder weiter weg aufgegeben wurde. Rund um die italienischen Seen z.B. sieht es genau so aus, aber meistens mit kompakteren Siedlungsstrukturen und von Wald umstanden.
Die insgesamt interessante Geologie von Korfu kann man auch am Kap Roda erleben. Hat man erst einmal den touristischen Hot Spot überlebt, kann man am Strand zum Bereich um das Roda Beach Resort mit mehreren Hotels etc. laufen, die vor dem Kap Roda angeordnet sind. Von dort aus, aufgeschütteten Haufen aus Sand und Algen und Seegras sei Dank, kann man an der Küste bis zum Kap laufen. Dies entpuppt sich als Schichtung von Lehm, Ton und Mergel. In einer der unteren Schichten kann man eingebettete Muscheln, Krebse und anderes urzeitliches Getier direkt aus dem Felsen kratzen. Messer reicht. Dies fällt besonders deswegen auf, weil die Küste bei Acharavi-Roda vollständig Muschel- und Krebsfrei ist. Sammler kommen hier, zumindest bei „normalem“ Wetter, nicht auf ihre Kosten. Wohl aber solche, die an den Formationen, die in den Kieselsteinen konserviert sind, Interesse haben. Sowohl Kalk, als auch Flint- und Sedimentkiesel bilden interessante Mikro-Einsichten in die Erdgeschichte und sind auch noch schön.
Wenn man am Meer ist, muss man wenigstens einmal auf einem Boot gesessen haben. Das realisieren wir mit einem organisierten Boot-Trip von Kassiopi nach Kerkyra, was auch die Gelegenheit bietet, noch einmal etwas in Kerkyra zu besichtigen. Angekündigt ist ein „Fischerboot“, das uns transportieren soll. Dieses entpuppt sich dann natürlich als Touristen-Transportmittel mit einem Fassungsvermögen von gut 100 Personen, unsere Busladung mit ca. 50 Personen passt bequem rein. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass das Boot vielleicht wirklich einmal ein Fischerboot war, worauf man dann ein zusätzliches Deck und touristenfreundliche Geländer und Bänke draufmontiert hat. Die drei Männer Besatzung sind bestimmt verwandt, „alles Vettern“ und wenn man das dann weiterdenkt, kennen die auch das Busunternehmen und den deutschen Reiseleiter unseres Reiseveranstalters verwandtschaftlich. Aber sei‘s drum. Die haben das schön gemacht, griechisches Englisch ist etwas ungewohnt, aber das sagen die Griechen vielleicht auch über deutsches Englisch. An der Bar kann man noch etwas zu sehr günstigen Preisen trinken, einschließlich des typisch griechischen Neskaffees. Man sieht jetzt die spannende Küste von der Wasserseite und ist auch Albanien ziemlich nah. Was man allerdings auch sieht, sind die großen Wunden in den schönen Hängen am Wasser, die für die aberwitzigsten Ferienhäuser und -anlagen geschlagen werden. Da werden halbe Berge abgetragen, um dann ein oder zwei Häuser auf die entstandenen Plateaus draufzustellen, die dann noch eine Zufahrt und einen Abstieg zum Wasser brauchen. Schade. Auch die Einfahrt in den Hafen von Kerkyra ist erwähnenswert, vor allem wenn die wechselnde Perspektive der Burgberge sich verschiebt. Heute kommt noch der Berg von heute vier Kreuzfahrtschiffen dazu, das höchste mit 12 Geschossen.
Ich nutze die drei Stunden in Kerkyra zunächst für einen Besuch im Ikonenmuseum. Es ist in einer alten Kirche untergebracht, der Kirchraum selbst ist die eigentliche Sehenswürdigkeit, er ist mit einer Tapetenmalerei in Rot ausgekleidet, die wie Brokat aussieht. Sowohl der Umgang, der Raum die Sakristei und natürlich die Ikonostase sind mit Ikonen behängt. Hier kann man sich schön mit der Maldoktrin der Ostkirche befassen, man findet vor allem Werke des 16. bis ins 19. Jh. Bedeutend für Korfu scheint neben dem Lokalheiligen Spiridonos noch vor allem St. Georg zu sein, den man vielfältig in Aktion dargestellt findet. Ich kann für mein Thema eine kleine Ausbeute machen. Es fällt auch auf, dass heutige Touristen mit dem Thema sakraler Kunst nichts mehr anfangen können oder wollen. Während meiner Anwesenheit sind einige beim Eingang umgedreht, als sie erfahren haben, dass man hier Eintritt zahlen muss (4 €!) und einige andere waren nach mir drin und sind vor mir wieder gegangen. Zeitweise war ich allein. Es wird auf Grund einer Stiftung vom griechischen Staat betrieben, der das Ganze auf Sparflamme hält. Ebenfalls schade.
In der städtischen Galerie schließlich fällt auf, dass der Freiheits- und Einigungskampf der Griechen vor allem in Portraitdarstellungen wichtiger Persönlichkeiten mündet. Man kann eigentlich sagen, dass dieser Kampf mindestens seit dem 16. Jh. vor allem gegen einen Aggressor, die Türken, geführt wurde. Wenn man hört, wie die Türken gegen die Bevölkerung vorgegangen sind, wundert es nicht, dass sich keine Freundschaft zwischen den Nachbarn einstellen will, trotz der kulturellen Nähe, etwa in der Küche oder der Korruption. Auch aktuelle Kriegsäußerungen des türkischen Diktators und die faktische Annektion von Ostzypern lassen dies noch verständlicher erscheinen. Ansonsten ist die Galerie wenig überraschend, ich nehme das Foto eines symbolistischen Bildes für mein Thema mit.
Heute fällt mir in der Altstadt noch die Präsenz von historischen Laubengängen auf, die in den Reiseführern beschrieben wird. Teilweise heben sie sich vom Straßenniveau ab und sind vollständig durch die meistens touristisch motivierten Geschäfte in Beschlag genommen, so dass man dort nicht mehr wirklich hindurch laufen kann. In den sehr engen Straßenräumen ergibt sich bei ca. 5 Geschossen ein spannungsreiches Mikrostadtbild.
Zurück auf dem Boot kann ich noch bei der geöffneten Bar meine Bierkenntnisse mit einer Dose „FIX“-Bier vervollständigen. Man macht noch einen Schwimmstop bei einer Bucht an der Kerkyra vorgelagerten Insel. Etwa die Hälfte der Gäste nutzt die Gelegenheit, wir schauen zu.
Ist Sirtaki ein griechischer Volkstanz? Auf jeden Fall. Wie wir wissen, ist er nicht historisch, sondern wurde für den Film Alexis Sorbas 1964 komponiert und die entsprechende Choreografie dazu erarbeitet. Warum ist es ein griechischer Tanz? Erstens ist er von einem Griechen komponiert worden. Und der Komponist Mikis Theodorakis war sicher der größte Kenner griechischer Volksmusik und hat daher das Wesen griechischer Musik am besten in westlich hörbares umgewandelt, wie bei vielen seiner nicht Filmmusik-Stücke auch. Außerdem enthält der Tanz, so liest man, traditionelle Elemente, die nur vereinfachend neu zusammengesetzt worden sind. Zweitens ist das Stück nun schon sechzig Jahre alt. Das sind mehr als zwei Generationen, und dann ist es doch schon traditionell. Wir finden ja auch Rezepte, die von der Großmutter gebacken und gekocht wurden, traditionell. Drittens ist es der Tanz, der Touristen in Griechenland „beigebracht“ wird und damit sicher der größte musikalische Export. Auch wir haben einem „griechischen Abend“ beigewohnt. Zunächst wurde von einem Gitarristen und einem Bouzouki-Spieler griechische Sing-a-Songwriter-Musik in westlich adaptierter Form präsentiert. Dann gab es einige Tanzvorführungen griechischer Tänze, deren Originalität ich nicht beurteilen kann, es sah aber traditionell aus. Das Ganze gipfelte dann in einer Sirtaki-Dauerschleife, bei der das Publikum zum Mitmachen aufgefordert wurde. Man lernte die vier oder fünf erforderlichen Schritte und Schrittfolgen. Das endete in einem wilden Versuch, Schrittfolgen zu kombinieren. Dass der schließlich grandios scheiterte, hat aber nicht gestört.
Mein Urlaubs-Ohrwurm war jedoch nicht griechisch, sondern „Historia de un amor“ von Carlos Eleta Almaran aus Panama, der das Lied 1955 geschrieben hat.
Ya no estás más a mi lado, corazón
En el alma sólo tengo soledad
Y si ya no puedo verte
Por qué Dios me hizo quererte
Para hacerme sufrir más
Siempre fuiste la razón de mi existir
Adorarte para mí fue religión
En tus besos yo encontraba
El calor que me brindaba
El amor y la pasión
Ref: Es la historia de un amor
Como no hay otro igual
Que me hizo comprender
Todo el bien, todo el mal
Que le dio luz a mi vida
Apagándola después
Ay, qué vida tan obscura
Sin tu amor no viviré
Du bist nicht mehr an meiner Seite, Schatz. In meiner Seele bin ich nur einsam. Und wenn ich dich nicht mehr sehen kann, warum hat Gott mich dazu gebracht, dich zu lieben? Um mich noch mehr leiden zu lassen. Du warst immer der Grund meiner Existenz. Dich anzubeten war für mich Religion. In deinen Küssen habe ich die Hitze von Liebe und Leidenschaft gefunden. Es ist die Geschichte einer Liebe, unvergleichlich. Die mir alles Gute und Schlechte, das mein Leben erleuchtete, klar gemacht hat. Schaltet man sie aus, Oh, was für ein dunkles Leben. Ohne deine Liebe werde ich nicht leben.
Das Lied hat sich hartnäckig über zwei Wochen in meinem Kopf gehalten. Was wohl der Grund sein mag?
Die beiden letzten Tage verstreichen ohne größere Aktivitäten. Ich gehe sogar einmal ins Wasser, das Meer hatte starke Brandung, mit der man gut spielen kann. Schwimmen im sportlichen Sinne ist etwas schwierig.
Die Rückreise beginnt etwas holprig. Wir können bei Condor nicht online einchecken. Dann wird uns mitgeteilt, dass wir morgens um 5.50 Uhr schon abgeholt werden, das Flugzeug startet erst um 10:40 Uhr, also 4 h 50 min später. Das ist ein längerer Vorlauf als auf dem Hinweg. Da haben wir Pech. Gegengerechnet mit dem Glück bei der Hinfahrt bleibt somit ein neutrales Ergebnis. Condor erwies sich im Übrigen als freudiges Erlebnis. Wir bekamen die letzten verfügbaren Plätze, jeweils an der Notausgangstür mit viel Beinfreiheit, leider nicht zusammen. Wir saßen in einer nagelneuen A 321-Maschine mit freundlichem Personal und pünktlichem Verlauf. Was will man mehr?
Fazit: Korfu ist eine schöne grüne Insel mit ausgeprägtem Tourismusbetrieb. Die Bevölkerung ist freundlich, auch wenn man nicht immer alles für bare Münze nehmen muss. Meine Highlights:
· Natur: Die Küste als ganzes, mit tollen Ausblicken auf Felsformationen, Strände, Wald und Olivenhaine, Laufen am Strand. Dann die Bergwelt des Pantokratoras mit den Kalkfelsen und Kalkrasen.
· Kultur: Gärten des Achilleion, die Altstadt von Kerkyra, das Kloster in Paleokastritsa, das Ikonen-Museum, der Ort des Hera-Heiligtums im Park Mon Repos, auch das Schloss Mon Repos. Die Geschichte der Nymphen.
· Essen und Trinken: Geht fast überall gut. Vorzugsplatz ist die Fuego-Bar in Acharavi mit direkter Meerlage und, abends, Harrys Bar. Ich habe den Salat “Dakos” schätzen gelernt, der im Grunde ein Tomatensalat mit Feta, Oliven und Kapern ist und auf einem öltgetränkten Gerstentoast aufgeschichtet wird.
· Mitbringsel: Verschiedene Steine, Palmensamen, Gerstentoast, Olivenöl, Kinderkleidung, Magnete mit dem Nazar-Amulett, KoumQuat-Chutney.






























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Familie Dutka (Montag, 14 Oktober 2024 21:43)
Wow- was für ein toller Urlaub! Wir lieben die Natur von Korfu - so tolle Bilder! Danke für den ausführlichen Bericht:) Anton, Arsen und Stella!